Lourdesgrotte Laubberg

Lourdesgrotte Laubberg

 

Aus Tuffsteinen gefügte, von einer massiven Flachtonne überspannte Kleinarchitektur an der Nordflanke des Laubbergs. Inneres mit zentraler Madonnenfigur, um diese gruppierten Heiligenstatuetten (Bernadette, Niklaus, Josef) sowie schmiedeeisernen Dekorationselementen. Älteste der insgesamt sechs freistehenden Lourdesgrotten im Fricktal. Bildet zusammen mit der Kapelle auf dem Gipfel des Laubbergs und dem verbindenden Stationenweg eine wohlüberlegt in die Landschaft eingebettete Anlage zum Zweck der Andacht.

 

Quelle: Bauinventar Kt. Aargau

http://dpag.scope.ch:8001/dpag/detail.aspx?ID=1428

Bau- und Nutzungsgeschichte

Ein Höhenheiligtum hatte auf dem Laubberg schon seit einiger Zeit bestanden. 1895 dann, als in Gansingen der Bau einer neuen Kirche bevorstand (erbaut 1896-1899), wurde – um das Vorhaben unter Gottes Segen zu stellen – der Gipfelbereich des Laubbergs als Ort der Andacht ausgestaltet. An der höchsten Stelle kam eine Kapelle zu stehen. Etwas unterhalb des Gipfels, an der Nordflanke des Laubbergs, errichtete man eine Lourdesgrotte. Ein ebenfalls neu angelegter, von Eisenkreuzen gebildeter Stationenweg verband diese mit der Höhenkapelle.

Als treibende Kraft stand der damalige Pius-Verein hinter dem Bau der Lourdesgrotte. Die Arbeiten wurden von der Dorfbevölkerung geleistet, die Kosten mit Spenden gedeckt. Als Baumaterial dienten im Bürer Rebberg freigelegte Steine, welche die Schüler der oberen Klassen auf den Laubberg tragen mussten.

Im Hinblick auf den Kirchenneubau sahen die Gansinger Ende des 19. Jh. konkreten Anlass zur Schaffung einer solchen Anlage. Gleichzeitig stellt die Errichtung von Lourdesgrotten für das katholische Fricktal des ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jh. eine allgemeine Zeiterscheinung dar: Ähnliche, sich ebenfalls durch eine bewusste Einbettung in die Landschaft auszeichnende Andachtsstätten entstanden zwischen 1895 und 1958 auch in sechs weiteren Pfarreien der Region. In ihnen manifestiert sich die Faszination, welche das Marienwunder im französischen Lourdes im Jahr 1858 und die wundersamen Heilungen, von denen in diesem Zusammenhang berichtet wurde, auf die gläubige Landbevölkerung ausübte. Nachbildungen der Grotte von Lourdes ersparten eine Wallfahrt dorthin, die zu unternehmen zu jenen Zeiten vielen Gläubigen nicht möglich war. Von den sieben Lourdesgrotten im Fricktal, die in der Regel mit einem Stationenweg in Verbindung stehen, ist jene auf dem Gemeindegebiet von Gansingen die erste, die als freistehendes Objekt erbaut wurde (Kaisten: grottenartige Felslandschaft in der Kapelle von 1892 auf dem Fasnachtsberg; Lourdesgrotten in: Wittnau, 1902, Hornussen, 1905, Wegenstetten, 1932, Eiken, 1939 und Sulz, 1958).

Die Lourdesgrotte befindet sich hoch über dem Dorf Gansingen an der bewaldeten Nordflanke des Laubbergs, etwas unterhalb von dessen Gipfel. Wenige Meter südöstlich steht die erste Station des Kreuzwegs, der auf einem kurzen, steilen Wegabschnitt durch den Buchenwald zur Kapelle hinaufführt. In seiner heutigen Form – 14 Stelen aus Kalkstein, von denen sich reliefartig die Darstellungen der Kreuzwegstationen Christi abheben – dürfte er auf die Mitte des 20. Jh. zurückgehen.

Die Lourdesgrotte, ein im Grundriss U-förmiger Kleinbau, ist aus Tuffsteinen gefügt und wird von einer massiven Flachtonne überspannt. Die Rückseite liegt in der Bergflanke geborgen und verschwindet in deren Erdreich, während sich die Grotte nach Norden öffnet. Im Innern birgt eine erhöhte Nische in der unregelmässig aufgeschichteten Rückwand eine Marienstatue, um die weitere Heiligenstatuetten gruppiert sind: Ebenfalls farbig gefasst und links zu ihren Füssen kniend Bernadette, rechterhand etwas abseits und kleinmassstäblicher Niklaus und Josef. Unmittelbar unter der zentralen Nische sind die aus Schmiedeeisen geformten Initialen „AM“, wohl für "Ave Maria", in das Mauerwerk eingelassen, etwas weiter unten ein ebenfalls schmiedeeiserner Kerzenhalter. Darunter bietet ein massiver Sockel Platz für Blumenschmuck.

Mehr Trittsicherheit auf dem Stationenweg

Ende September wurde der Stationenweg auf dem Laubberg, der Lourdesgrotte und Kapelle verbindet, vom Zivilschutz saniert.

 

Haben Sie in den letzten Tagen die Lourdesgrotte auf dem Laubberg besucht und sind anschliessend den Kreuzweg zur Kapelle gegangen? Da hat sich einiges getan, dank dem grossen Einsatz der Zivilschutzorganisation Oberes Fricktal, kurz ZSO. 

 

Otto Senn, Gemeinderat von Gansingen, und Urs Boutellier knüpften im Frühling 2015 erste Kontakte zur ZSO. Urs Boutellier kümmert sich schon längere Zeit gemeinsam mit seiner Frau Olivia um die Pflege von Grotte und Kapelle. Die Gespräche gediehen soweit, dass das Projekt Stationenweg auf dem Laubberg ins Rollen gebracht werden konnte. Fredi Bühler, Forst- und Gemeindewerkleiter von Gansingen, engagierte sich gemeinsam mit Raphael Lemblé, Kommandant der ZSO, für die Planung und Vorbereitung. Nach einer letzten Besprechung vor Ort, wo auch Martina Szabo von der Kirchenpflege zugegen war, wurde zur Ausführung geschritten.

 

Neu sorgen Stufen für mehr Trittsicherheit auf dem steilen Weg, das erst Stück ist  von einem Handlauf ergänzt. Zuoberst  begrenzt ein einfacher Ein- bzw. Ausgang den Pfad. Die Bänkchen, welche  im Frühjahr von Thomas Szabo schon mit neuen Sitzbrettern versehen wurden, sind jetzt an ausgewählter Stelle frisch gesetzt. Nun lässt es sich auch im Sitzen, wieder leicht zum Gebet sammeln. Die Grotte selbst erhielt einen neuen Boden, damit der Kerzenständer wieder einen guten Stand hat.

 

Mit Tatkraft machten sich Raphael Willi und David Huber, Zugführer der ZSO, mit ihren Leuten und enormen Mengen von Material an die Arbeit. Beton, Holz, Eisenstangen, Bohrmaschinen, Spaten, Stromaggregat, Wassertank, Hochdruckreiniger und noch vieles mehr wurden herangeführt. Aber auch für das leibliche Wohl der Zivilschützer musste gesorgt werden. Für die Hauptmahlzeiten war die Küchenmannschaft des ZSO verantwortlich, welche die Männer im Gansinger Werkhof verpflegte. Auf dem Laubberg sorgten Urs und Olivia Boutellier sowie Dorli Erdin  für die verdienten Zwischenverpflegungen. Innert zweier Tagen war von den rund 15 Mann das Werk getan. Man hatte sich sogar das ehrgeizige Ziel gesteckt, die Stationen vom Moos zu befreien und zu säubern. Leider konnte nicht genügend Wasserdruck aufgebaut werden, weswegen man schliesslich diesen Teil der Übung abbrach. Diese Arbeit wird vielleicht für eine nächste Probe ins Auge gefasst.

 

Im Namen der Besucher von Lourdesgrotte, Kappelle und Kreuzweg dankt auch die Kirchenpflege Gansingen allen Beteiligten, Diensttuenden und Helfern für ihre geleistete Arbeit.ms, 18.10.2015