Kirche St. Georg Gansingen

Kirche St. Georg

 

Die 1896–1899 nach Plänen von Hans Baumann, Villigen, errichtete Pfarrkirche St.Georg in Gansingen - eine praktisch exakte Nachbildung des 1881–1884 vom selben Baumeister in Stetten realisierten Kirchenbaus - ist eine neuromanische Saalkirche unter Satteldach mit Frontturm, polygonaler Apsis und zweigeschossigen Sakristeien, die am Aussenbau als giebelbekrönte Risalite in Erscheinung treten. Am Äusseren sind nebst anderen, kleineren Eingriffen die Eingänge modern überprägt. Das Innere wurde 1971/72 renoviert und im Sinne des zweiten vatikanischen Konzils umgebaut, wobei insbesondere die Chorpartie neu gestaltet und die eigenwillige bauzeitliche Deckenlösung aufgegeben wurde. Erneute Veränderungen der Chorpartie und neue Farbgestaltung der Kirche anlässlich von Renovationen 2000 sowie 2006.

Quelle: Bauinventar Kt. Aargau

http://dpag.scope.ch:8001/dpag/detail.aspx?ID=1426

Bau- und Nutzungsgeschichte

Die Pfarrkirche St.Georg, vielleicht eine späte Gründung des Klosters Säckingen, ist erstmals 1281 bezeugt. 1608 wurde Gansingen dem Stift Säckingen einverleibt, 1803 der Kollatur des Kantons Aargau unterstellt . Beim Vorgängerbau der heutigen Kirche handelte es sich um einen mit steilem Satteldach versehenen Saal. Der gedrungene Turm, ebenfalls unter Satteldach, enthielt einen romanischen Chor. Um 1790 befand sich die Kirche in einem bedenklichen Zustand, ebenso das Pfarrhaus , welches 1815 dann neu errichtet wurde. An der Kirche wurden 1804 Reparaturen vorgenommen. Ende des 19. Jh. fasste man den Entschluss für einen Neubau, der nach Plänen von Hans Baumann, Villigen, ausgeführt wurde. Die neue Kirche (Baukosten 153'245 Franken), welche drei Altäre aufnahm, wurde am 18. Mai 1899 geweiht. Kurze Zeit existierten beide Gotteshäuser nebeneinander, dann wurde die alte Kirche zugunsten des heutigen Friedhofs abgebrochen .

1971/72 fand eine umfassende Renovation mit Umbau statt . Am Äusseren entfernte man die Fialen der Strebepfeiler sowie den Dachreiter am östlichen Firstende. Das Innere wurde unter vollständiger Preisgabe der historischen Raumgestalt und Ausstattung modernisiert. Im Jahr 2000 wurde eine weitere Innenrenovation vorgenommen, bei der der Kirchenraum eine neue Farbgestaltung und Beleuchtung erhielt und der Chor unter Verkürzung der beiden vordersten Bankreihen erneut eine Umgestaltung erfuhr. Anlässlich einer Aussenrenovation wurden 2006 verwitterte Fenstergewände ersetzt, ein mineralischer Putz aufgetragen und der Anstrich erneuert . 2010 fand eine Orgelrenovation statt.

Beschreibung:  Die 1896–1899 im neuromanischen Stil erbaute Kirche steht im Dorf Gansingen leicht erhöht am östlichen Hang des Mettauertals. Der Bau, in den Hauptzügen eine Kopie der ebenfalls von Hans Baumann errichteten Pfarrkirche St. Vinzenz in Stetten (1881–1884), ist "ein weiter Saal mit eingezogenem, dreiseitig schliessendem Chor. Dieser tritt aussen nur mit seiner polygonalen Apside in Erscheinung; sein Vorjoch liegt unter dem hohen Schiffdach verborgen und wird beidseitig von doppelgeschossigen Sakristeien flankiert, die als quergieblige Risalite vor die Längswände treten". Die von Strebepfeilern gerahmte Hauptfassade überragt ein eingestellter Turm mit hohem Nadelhelm über rundbogigen Schallöffnungen und spitzen Uhrgiebeln. Eine zweiflüglige, baubronzene Tür in moderner Formgebung, von zwei hochformatigen Glaseinsätzen flankiert, ist an die Stelle des ursprünglichen, von einer Ädikula aufgenommenen rundbogigen Portals getreten. Zum Haupteingang und der dahinter liegenden Vorhalle im Erdgeschoss des Turms führt ein dreiseitig von wenigen Stufen umlaufenes Podest aus Granit, das unter einem Vordach in Form einer walmdachartig abschliessenden Betonplatte liegt. Darüber sind ein achtspeichiges Radfenster, ein gekuppeltes Rundbogenfenster sowie ein Ochsenauge in den horizontal gefugten Turmschaft eingelassen. Über einem Gurtgesims geht dieser in den glatt verputzten, mit Ecklisenen ausgezeichneten Bereich der Glockenstube über. Schiff, Sakristeien und Chor werden von grossformatigen Rundbogenfenstern mit Gewänden aus Mägenwiler Muschelkalk (verwitterte Partien 2006 mit Sandstein oder einer Beton-Sandstein-Imitation ersetzt), Lisenen und einem Kranzgesims in Form eines Rundbogenfrieses gegliedert. Jeweils im dritten Joch von Westen führt ein mittels Flachdach geschützter Seiteneingang ins Kirchenschiff. Die südliche Sakristei verbindet ein unterhalb des Rundbogenfensters ansetzendes Flachdach mit dem neuen Pfarrhaus (ca. 1960). Mit einem gebrochenen Weiss und leicht dunkleren, beige-grauen Gliederungselementen war die frühere Farbgebung der Kirche eher homogen und zurückhaltend. Seit der Aussenrenovation 2006 präsentieren sich die Fassaden in einem Lachston, von dem sich die Gliederungselemente grau (Rundbogenfries, steinsichtig belassene Fenstergewände) und weiss (Lisenen) abheben. Der Turm weist in Umkehrung der Verhältnisse Weiss als Grundfarbe sowie lachsfarbige Ecklisenen und einen gelben Zahlenkranz am Zifferblatt der Kirchenuhr auf.

Vom Geläute, das die Glockengiesserei Rüetschi in Aarau 1898 lieferte, ist eine Glocke erhalten – sie befindet sich vor dem Haupteingang über einem Steinsockel mit eingemeisselten Jahreszahlen der bisherigen Kirchenrenovationen.

Der Hauptfront vorgelagert befindet sich unterhalb einer Stützmauer der Friedhof. Dieser fällt nach Westen leicht ab und ist durch eine weitere Stützmauer, welche eine Treppe überwindet, vom Chileweg abgesetzt. Ein breiter Weg aus Granitplatten teilt das Friedhofgeviert in zwei Hälften und führt – über eine einläufige Treppe am oberen Ende – direkt auf das Kirchenportal zu. Im oberen Wegabschnitt steht das Friedhofkreuz , auf dieser Höhe kreuzt ein zweiter Weg rechtwinklig. Er führt im Norden zu einem im Grundriss halbkreisförmigen steinernen Brunnentrog (gemäss Inschrift von 1912) an der Friedhofsmauer, im Süden zum jüngeren Friedhofbereich, der sich bis zum Alten Schulhaus erstreckt.

Der weite Innenraum der Kirche weist einen schwarzen Schieferplattenboden und eine flache Holzdecke auf. Aus der um eine Trittstufe erhöhten Chorzone reicht, um eine weitere Stufe erhöht, eine halbkreisförmige Fläche in den Kirchenraum. Dessen moderne Holzbänke sind entsprechend in den beiden vorderen Reihen zum Mittelgang hin verkürzt. Nach hinten ist der Chorbereich mittels raumhoher Wandstreifen an den Flanken sowie daran ansetzender niederer Trennwände abgegrenzt. Letztere führen, in der Mitte einen Durchgang aussparend, konkav nach hinten. Zusammen mit dem nach vorne ausgreifenden Halbrund wird so eine ovale Fläche beschrieben, auf der Altar und Ambo stehen (technisch anmutende Ausführung in Holz und Metall). Hinter dem Durchgang bildet eine raumbreite Wand den östlichen Abschluss des Kirchenraums, die eine Christusfigur aus Holz aufnimmt (seit 2000 ohne Kreuz). Dahinter befindet sich der zur Sakristei umgebaute ursprüngliche Chor. Im Westen liegt die Empore, die als Balkon mit massiver, weiss verputzter Brüstung gestaltet ist. Auffallend ist die Farbgestaltung des Kirchenraums, die in einer Kombination von Rosa – in der Käftigkeit von den Seitenwänden des Schiffs über die Wandflanken des Chorbereichs bis hin zu den konkaven Wandelementen gesteigert – und Hellblau – im Bereich des ehemaligen Chorvorjochs – besteht. Farbige Glasfenster von "h.r. Süess-Naegeli", Zürich, 1972; an den Längswänden in Holz geschnitzte Stationenbilder von Rolf Gruber, Wil (SG).

Ursprüngliches Aussehen des Kirchenraums: Das Laienhaus überwölbte eine gestreckte Korbbogentonne, deren Mittelteil in Form eines blinden Obergadens mit neugotischer Bälkchendecke aufgehöht war. Die Fensterachsen schlossen in halbkreisförmigen Schildbögen, die in der Tonne Stichkappen ausschnitten. Der Chor zeigte wie jener von St. Vinzenz in Stetten ein zweijochiges Kreuzgurtgewölbe, das hier auf Konsolen ansetzte. Die Ausmalung der Kirche stammte von J. Albert Benz. An der Scheitelwand und vor der Chorbogenmauer standen drei von Wimpergen mit Fialbekrönung überhöhte Schreinretabel mit Holzplastiken. Die Kanzel stammte wohl aus derselben Werkstatt. An den Längswänden des Schiffs waren Stationenbilder in wimpergbekrönte Holzrahmen aufgereiht. Die in Schiffbreite angelegte Empore ruhte auf Gusseisensäulen.